Ich bin so allein

Das Hinterwälder Rind – mit seinen kurzen Beinen und dickem Fell – ist ideal für die Bedingungen im Hochschwarzwald gezüchtet.

Mittlerweile steht es nicht nur im Zoo in Berlin und Stuttgart, sondern auch auf der Roten Liste für stark gefährderte Tierarten.

was sagt der #wwf dazu
#nutztierrassen verschwinden

Alte was? Alte Nutztierrassen 🙂

Dies sind Rassen, die in jahrhunderte langer Züchtung für bestimmte Regionen herangezogen wurden und heute durch den Druck der Nahrungsmittelindustrie durch wenige Hochleistungsrassen verdrängt werden.

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts stirbt weltweit alle zwei Wochen eine solche Nutztierrasse aus – und auch vor unserer Haustür spiegelt sich dieser Trend anschaulich wider. 

In Deutschland gibt es noch rund 60 dieser alten Rassen – Jede für sich mit vielen tollen Geschichten. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für das Thema “Alte Nutztierrassen”. Auf geht’s #foodrevolution

Unsere Alten Nutztierrassen

Schwarzwälder

Vorderwälder

Vorderwälder

Seit 2018 bei Cowfunding.

Schwarzwälder

Hinterwälder

Seit 2018 bei Cowfunding.

Braunes

Bergschaf

Seit 2020 bei Cowfunding.

Angler

Sattelschwein

Coming soon.

Die Fleischproduktion muss nicht so schädlich sein, wenn in natürlichen Kreisläufen (mit eigenem Futteranbau) gearbeitet wird und die Tiere auf regionalen Weiden aufwachsen.

Wo der BUND Recht hat, hat er Recht.

FAZIT:  Wenn schon Fleisch, dann weniger und nachhaltigeres!

3 Gründe warum Du
alte Nutztierrassen essen solltest

1. Tierwohl & Wertschätzung

Landwirte, die alte Nutztierrassen züchten, sind Überzeugungstäter – mit viel Leidenschaft für ihre Tiere und deren Wohlergehen. Menschen, mit denen wir gerne arbeiten!

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Alte Nutztierrassen sind schon lange kein lukratives Geschäft mehr. Das sehen wir auch an den Landwirten, die bei Cowfunding mitmachen. Keiner unter ihnen kann full-time von seinen alten Rassen Leben. Alle haben noch einen anderen Job.

Traurig, aber wahr. Den einzigen Vorteil, den wir daran sehen ist, dass die Landwirte nicht mehr finanziell abhänhig sind, ihre Tiere schnell auf kleinstem Raum auf ein bestimmtes Gewicht zu mästen. Und auch beim Metzger wird darauf geachtet, dass die Tiere so wenig Stress wie möglich ausgesetzte sind.

 

2. Generations-gerechtigkeit

Artenvielfalt klingt immer so abstrakt und weit weg. Manche Menschen glauben auch, dass man keine Vielfalt braucht. Ein paar Rassen pro Tierart sind doch genug, oder?

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Auch wenn wir immer noch nicht alle Zusammenhänge verstehen, sehen wir mehr und mehr, dass die Vielfalt nicht ohne Grund geschaffen wurde. Durch sie kann sich die Natur immer wieder neu erfinden.

Welche Arten hierbei in Zukunft vielleicht auch für den Menschen von Nutzen sein werden, wissen wir heute noch nicht. Genau so wenig, wie wir vor 100 Jahren wussten, dass man heute Bananen isst oder Kopfweh mittels eines Wirkstoffs (Aspirin) aus Weidenbäumen bekämpft.

Lasst uns die Vielfalt unserer Natur entgegen den aktuellen Wirtschaftsinteressen erhalten – sodass auch unsere Kinder die Möglichkeit haben, diese für ihre Bedürfnisse zu nutzen.

3. Biodiversität & Kulturlandschaft

Was haben die Eichenwälder in Norddeutschland, die Wachholderheiden der Schwäbischen Alb und die Wiesen im Schwarzwald gemeinsam?

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Richtig, sie sind allesamt durch Mensch und Tier in den letzten Jahrhunderten entstanden und prägen bis heute unser Landschaftsbild.

Neben dem Aspekt der Biodiversität sind diese Gebiete also vor allem eins – toll anzusehen!

Viele von uns verbinden bestimmte Landschaften mit bestimmten Gefühlen. Sei es durch Verwandtschaftsbesuche, Urlaube oder auch das eigene zu Hause.

Gefühle sind schwer in Worte zu fassen und noch schwerer in Zahlen. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass ihr mit jedem Kauf bei Cowfunding direkt oder indirekt zum Erhalt dieser Landschaften beitragt.

 Vielfalt von Tieren

Die natürliche Auslese sorgt dafür, dass immer die Stärksten oder die am besten Angepassten überleben.

Charles Darwin (1809 – 1882)

An die von der Wirtschaft getriebenen Menschen hat Charles Darwin damals wohl noch nicht gedacht.

Unsere Erde braucht die Vielfalt von Tieren. Und dazu gehören neben den Orangutans und Eisbären auch alte regionale Nutztierrassen.

Da die Effizienz auch vor dem Lebensmittelmarkt nicht halt gemacht hat, setzte man bei Nutztierrassen vor allem auf Masse statt Klasse. Und da manche langsamer wachsen als andere, begann ein wirtschaftlicher Selektionsprozess.

Bis heute sind von den weltweit 6.400 bekannten Nutztierrassen bereits 40% vom Aussterben bedroht.

Lasst uns das Bewusstsein für diese alten Rassen stärken und durch unseren Konsum einen Beitrag zu deren Erhalt leisten.

Alte Nutztierrassen

Zusammen Vielfalt erhalten

biosphärengebiete

Home

Derzeit gibt es 16 von der UNESCO anerkannte Biosphärengebiete in Deutschland. Sie helfen Mensch und Tier besser miteinander klar zu kommen. Oft auch mit einem Fokus auf dem Erhalt von alten Nutztierrassen und Sorten, wie uns das Beispiel im Schwarzwald zeigt: biosphaerengebiet-schwarzwald.de

G.E.H.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. pflegt seit 1984 eine Rote Liste der gefährdeten Haus- und Nutztierrassen – für uns eine wichtige Quelle! In ihren Arche Projekten widmen sich passionierte Landwirte gezielt der Erhaltungszucht dieser Tiere. Mehr unter g-e-h.de

Arche des geschmacks

Die Arche des Geschmacks ist ein internationales Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität. Sie schützt und fördert traditionelle Nutztierrassen, Kulturpflanzen und Lebensmittel, die vom Verschwinden bedroht sind, und trägt so zur Rettung unseres kulinarisch-kulturellen Erbes bei. Mehr dazu auf slowfood.de

Pro Specie Rara

Die Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren arbeitet unter anderem zusammen mit den Supermarktketten Coop und Migros daran, alte Sorten und Rassen wieder in die Läden und damit auch auf die Teller zu bringen. Mehr dazu auf prospecierara.ch

Tierpark Arche Wader

Gelegen im schönen Schleswig-Holstein findet man Europas größten Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen – die Arche Wader. Auf mehr als 80ha Gesamtfläche leben über 1200 Tiere aus derzeit 82 Rassen.  Mehr dazu auf arche-warder.de

Bergschaf

Mich gibt’s in weiß und in braun

Bergschaf – Bayerische Ramsnase mit Schlappohren

Dass das Bergschaf ursprünglich vom norditalienischen schweren Hängeohrschaf abstammt, ist nicht schwer nachzuvollziehen – seine Schlappohren sind auch heute noch unübersehbar. Von Norditalien aus kam es über Kärnten, die Steiermark, Salzburg und Tirol schließlich nach Deutschland in die bayerische Alpenregion. Bayern ist auch heute noch das Hauptverbreitungsgebiet, das Bergschaf ist mittlerweile aber auch in anderen Landesteilen Deutschlands zu Hause. In den Beschreibungen stets genannt wird der ramsnasige Kopf, das heißt die starke Wölbung des Kopfes nach außen (englisch: ram = Widder).

Weitere Kennzeichen: Geländegängig, fällt gern mal aus der Rolle

Viel Regen macht dem Bergschaf nichts aus. In Kombination mit seiner hohen Steig- und Trittsicherheit (kräftige Beine und harte Klauen) ist es bestens für die alpine Bergwelt ausgerüstet. Was in den Alpen taugt, geht auch in anderen widrigen Gegenden, längst hat man sich die Geländegängigkeit des Schafes auch in den Mittelgebirgen zu eigen gemacht. Auf Steilhängen, die selbst angepasste Rinder wie die Vorderwälder oder Hinterwälder  aus dem Schwarzwald nicht mehr bewältigen, findet das Bergschaf immer noch sicheren Halt. Für die Offenhaltung schwer zugänglicher Lagen sind sie also fast schon ein Muss. 

Bemerkenswert ist seine Gebärfähigkeit: Das Bergschaf gilt als frühreif und fruchtbar und ist außerdem das ganze Jahr über paarungsbereit – im Schafjargon nennt man das asaisonales Brunstverhalten. Nicht nur die Lämmer wachsen schnell und gewinnen täglich an Gewicht, auch das Fell der Schafe ist üppig – sodass es gleich zwei Mal im Jahr, im Frühling und Herbst geschoren wird.
Alles in allem ist das Bergschaf also wirklich ein besonderes Schaf, das durchaus aus der Wolle, nein Rolle fällt. Trotzdem – oder genau deswegen ist es vom Aussterben bedroht, es ist einfach nicht so praktisch wie konventionelle Schafe.

Reine Woll-Lust? Leider nicht

Sowohl das braune als auch das weiße Bergschaf (genauso wie das schwarze und gescheckte) stehen auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH). In Kategorie II eingestuft, gelten sie als stark gefährdet. Auch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) listet die Tiere auf seiner Roten Liste einheimischer Nutztierrassen.

Besonders schwer hat es das braune Bergschaf. War früher seine dunkle Wolle für Janker und Lodenmäntel begehrt, weil man sie nicht extra einfärben musste, wurde ihm genau das später zum Verhängnis: weiße Wolle lässt sich viel leichter in alle möglichen bunten Farben einfärben. Außerdem kam nach dem zweiten Weltkrieg die traditionelle Loden-Bekleidung erstmal aus der Mode, braune und gescheckte Bergschafe wurden kastriert oder getötet.

Wagyu im Schafspelz

Heute weiß man weißes und braunes Bergschaf wieder zu schätzen, die Populationszahlen erholen sich langsam wieder. Dabei geht es nicht nur um die Qualität der Wolle, sondern auch um die des Fleisches. Der Körper der Schafe gilt als gut bemuskelt. Ähnlich wie beim Wagyu Rind weist das Schaf intrazelluläres Fett auf und ist damit besonders zart und schmackhaft. Die Tiere neigen kaum zur Verfettung, bieten also bestes Lammfleisch.

Wer das Fleisch von Bergschafen isst, trägt also zum Erhalt der Rasse bei. Denn nur wenn die Nachfrage steigt, werden die Tiere wieder vermehrt gezüchtet.

Bergschafe – Landschaftspfleger mit Biss

Ob man vom Wollverkauf noch leben kann, sollte man einen Schäfer erst gar nicht fragen – seit 1990 herrscht absoluter Preisverfall bei Wolle, wie der Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg e.V. auf seiner Seite berichtet: Statt früher 1,80 – 2,30 Euro pro Kilo, bekommt man heute nur noch zwischen 50 Cent und 1,20 Euro, abhängig von der Qualität. Die Schurkosten hingegen liegen pro Schaf bei circa 3,80 Euro, also höher als der Erlös! 

Dann muss also der Lammfleischverkauf den großen Absatz bringen? Naja, vom Lammfleisch stammen circa 39% der Markteinnahmen. Der Preis für Lämmer ist gering und Lamm-Importe aus Nicht-EU-Ländern (Neuseeland, Südamerika) erhöhen den Preisdruck zusätzlich.

Die Alten sind die Besten

Tatsächlich macht die Landschaftspflege aktuell den größten Teil des Schäfer-Geschäfts aus. Durch das geringe Gewicht der Schafe besteht durch ihre Beweidung kaum Erosionsgefahr. In steilen Hanglagen eignen sich geländegängige Schafe wie das Bergschaf ganz besonders für die Offenhaltung der Landschaft. Das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) berichtet ausführlich über die Bedeutung der Landschaftspflege mit Schafen: “Durch die jahrhundertlange und kulturhistorische Nutzungsform der Schafbeweidung (vor allem die der Wanderschäferei), sind viele Biotoptypen (z. B. Wacholderheiden) entstanden. Entsprechend eignet sich die Schafbeweidung insbesondere, um diese Biotoptypen zu erhalten.” Dabei empfiehlt es vor allem alten Schafrassen, da auch sie vom Aussterben bedroht sind. Hinzu kommt, dass die alten Rassen meist recht genügsame, gute Futterverwerter sind, also auch auf schon lange brachliegenden Flächen bestens zurechtkommen. 

Biodiversitätstaxis

Dieser Bedeutung ist man sich auch in Neustadt an der Weinstraße bewusst. Das Projekt Biodiversitätstaxis 2.0 beschäftigt sich mit Schafen und ihrem Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Und das nicht ohne Grund: In ihrem dichten, langen Fell sammeln sich auf der Weide jede Menge Pflanzensamen. Während sie von einer Weidefläche zur anderen ziehen, transportieren sie auch diese Samen weiter – bis zu 10.000 Pflanzensamen sammeln sich in ihrem Schafspelz! So kann verhindert werden, dass einzelne Arten auf einigen Flächen verarmen oder gar vollständig verschwinden. Toll oder?
Mehr zu den Taxis auf vier Beinen gibt es hier…

Auch die Schäfer sind vom Aussterben bedroht

Niedrige Woll- und Lammfleischpreise – viele Schäfer bringt das an den Rand der Existenzsicherung. Trotz Förderung erwirtschaften die meisten nicht einmal den Mindestlohn.

Deswegen fordert der Bundesverband Berufsschäfer die sogenannte Weideprämie von 38 Euro für extensiv gehaltene Mutterschafe und Mutterziegen. In anderen Ländern Europas ist diese Förderung bereits üblich, in Deutschland bisher nicht. Leider haben Demonstrationen vor dem Landwirtschaftsministerium in Berlin und die bundesweite Petition #SchäfereiRetten 2018 nicht geholfen, die Weideprämie wurde vom Bundestag abgelehnt.

Wanderschäfer Sven de Vries informiert anschaulich, kurzweilig und direkt von der Weide über die aktuelle brenzlige Situation der Berufsschäfer in Deutschland. Seine Podcasts und Videos sind frei über seine Facebook-Seite Schafzwitschern und auf Youtube verfügbar.