Geschichte: Wer hat’s erfunden? Die Kelten

Wer waren die ‘Vorfahren’ vom Hinterwälder Rind?

Man geht davon aus, dass Hinterwälder vom sogenannten Kelten-Rind abstammen. Zum ersten Mal erwähnt wird das Hinterwälder 1829. Die Rasse ist ein besonders rein erhaltener Teil des badischen Landviehs. Die erste Zuchtgenossenschaft gab es 60 Jahre später, sie wurde 1889 im Amtsgericht Schönau im Schwarzwald registriert.

Hinterwälder waren ursprünglich eine sogenannte Drei-Nutzungsrasse –
was heißt das denn?

Es ist ein bisschen wie heute in einer dieser Shampoo-Werbung: two in one. Nur, dass es beim Hinterwälder gleich um drei Eigenschaften geht: In den früher oft sehr kargen Verhältnissen der Schwarzwälder Landwirtschaft konnten sich Bauern meist keine Arbeitspferde oder Zugochsen leisten, deswegen wurde das Hinterwälder Rind neben der Fleisch- und Milchnutzung auch vor diesen Karren gespannt. Fleisch + Milch + Arbeitstier = drei Arten, das Tier zu nutzen. Mehr dazu auf hinterwaelder.com

Und wie wird das Hinterwälder Rind heute eingesetzt?

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ab den 1950er Jahren eine drastische Veränderung der Landwirtschaft durch die Mechanisierung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde die Arbeitskraft der Hinterwälder nicht mehr gebraucht.
Deswegen ist das Hinterwälder heute eine klassische Zweinutzungsrasse: Fleisch- und Milcherzeugung, wobei die Fleischerzeugung mit 80% überwiegt. Mehr dazu auf bio-aus-bw.de. Vergleicht man die Hinterwälder Milchleistung im Jahr mit dem eines sogenannten „Hochleistungsrind“, schneidet das Hinterwälder schlechter ab. Klar, es ist ja auch ein ganz kleines Rind. ABER: es lebt länger, deswegen liefert es, gemessen in Jahren, deutlich länger Milch – und hebt das Defizit auf die Lebenszeit des Rindes gerechnet also wieder auf. Mehr dazu auf die arche.de und auf hinterwaelder.com

So viele gute Eigenschaften – und trotzdem gefährdet?

Liest man über all die guten Eigenschaften, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass das Hinterwälder landauf landab schwer gefragt ist. Doch weit gefehlt, es steht nicht hoch im Kurs, sondern auf der roten Liste. Das Hinterwälder zählt zu den gefährdeten Nutztierrassen. Ausführlich beschreibt Dr. Franz Maus in einem Artikel der Landinfo die Entwicklung des Hinterwälder Rinds. Darin verweist er nicht nur auf den Rückgang der Tiere, sondern auch auf jenen ihrer Betriebe im Einzugsgebiet des Hinterwälder Zuchtvereins: Im Jahr 2000 waren es noch 60, drei Jahre später schon nur noch 33 Betriebe. Wie aber sind die Hinterwälder auf der roten Liste gelandet? Die Hochleistungsrassen, man nenn sie auch Turbokuhrassen, haben die Kleinen verdrängt. Sie liefern mehr Fleisch, erzeugen mehr Milch und weniger Arbeit aufs Kilogramm gerechnet. Erst langsam entwickelt sich eine Gegenbewegung, die auch Cowfunding mitgestalten möchte.

Fleischatlas: Wahrung gefährdeter Rassen durch Steigerung der Nachfrage


PS: Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung stellt die Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland zum >> Download zur Verfügung

Unsere Artikel werden von Annika Burger geschrieben. Sie ist die Göttin der Sprache mit einem riesen Herz für Mensch und Tier. Als freie Umweltjournalistin hat sich übrigens auch ihren eigenen Blog: tellerrand.blog