Kennzeichen: Ein Platz auf der roten Liste

Vorderwälder sind die etwas kräftigeren Typen des Wälderviehs

Robust, anpassungsfähig und anspruchslos – das sind die Eigenschaften, die man den Vorderwälder Rindern nachsagt. Nun, für den Laien machen Kühe auf den ersten Blick generell einen ziemlich robusten Eindruck – woran kann man die Vorderwälder noch erkennen?
Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) beschreibt die Farbe des Fells als rot gedeckt bis rotweiß gescheckt. Wobei rot aus der Fachsprache übersetzt für ein kräftig leuchtendes Braun steht. Ihr Kopf ist meistens mit Hörnern versehen, hier ist die Farbe in der Regel weiß, in manchen Fällen auch mit Abzeichen (das heißt mit einzelnen Flecken, z.B. um die Augen herum). Vorderwälder Rinder gehören genau wie die Hinterwälder zum sogenannten Wäldervieh aus dem Schwarzwald. Ist das Hinterwälder Rind das kleinste Rind, so zählt das Vorderwälder mit 150 cm (bei den Bullen) bzw. 136 cm Höhe zu den mittelgroßen Rindern. Zum Vergleich: Das Hinterwälder Rind erreicht im Schnitt nur 132 – 120 cm. Auch im Gewicht bringen die Vorderwälder etwas mehr auf die Waage: Das Durchschnittsgewicht der Herren der Schöpfung liegt bei 1.100 kg, die Damen bringen es auf ca. 600 kg. Mehr dazu kann man auf bio-aus-bw.de lesen.

Vom Aussterben bedroht: gefährdete Alte Rasse

Das Vorderwälder Rind gehört zu jenen 55 von 72 heimischen Nutztierrassen, die gefährdet sind. Sie alle findet man auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung veröffentlicht die Broschüre bereits zum 5. Mal, darin ist übrigens auch zu lesen, dass insgesamt 71 Prozent der heimischen Nutztierrassen gefährdet sind! Warum ist das so? Das liegt vor allem an den Anforderungen der Wirtschaft bzw. dem Druck der Nahrungsmittelindustrie. Die Hochleistungsrassen verdrängen die weniger leistungsstark gezüchteten Rassen. Leider wird dabei übersehen, dass gerade diese oft für den natürlichen Erhalt der jeweiligen Regionen eine wichtige Rolle spielen. Das Vorderwälder Rind zum Beispiel (sowie das Hinterwälder Rind) ist nicht umsonst klein, robust und ein guter Futterverwerter – nur so kann es im rauen Schwarzwald bestehen und die Flächen offen halten. Mehr dazu kann man z.B. auf den Seiten des Naturpark Südschwarzwalds lesen. Einen interessanten Beitrag dazu hat der SWR gedreht (es geht hier zwar ausschließlich um Hinterwälder, es betrifft aber genauso die Vorderwälder Rinder).

Feines Rindfleisch vom Vorderwälder Rind

Der Verlust alter Rassen im Allgemeinen und der Vorderwälder im Speziellen bedeutet nicht nur den Verlust der biologischen und kulturellen Vielfalt – es ist genauso ein Verlust für den Gaumen: Zum eine schätzen viele ihre hochwertige Milch mit hohen Fett- und Eiweißanteilen, aber auch das feinfaserige, zart-saftige Fleisch steht, gemeinsam mit dem des Hinterwälder Rinds, hoch im Kurs. Bei dieser “doppelten” Nutzung spricht man übrigens von einer Zweinutzungsrasse.

PS: Das Vorderwälder Rind hat eine hohe Lebenserwartung, das macht die jährliche geringere Leistung wieder wett. Oder wie es so schön im Schwarzwälder Boten zu lesen ist: Immer wieder erstaunlich für Züchter vieler anderer Rassen seien die vielen “alten Damen” in den Vorderwälder-Ställen, die zehn und mehr Abkalbungen erlebt hätten – so alt würden Tiere anderer Rassen nicht sehr häufig.

Unsere Artikel werden von Annika Burger geschrieben. Sie ist die Göttin der Sprache mit einem riesen Herz für Mensch und Tier. Als freie Umweltjournalistin hat sich übrigens auch ihren eigenen Blog: tellerrand.blog